Outfit: Blumenmädchen oder Realist?

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Mit 16, 17 liebte ich die Serie Scrubs. Da gab es Elliot. Elliot hatte einen Hochzeitsordner, einen Hefter mit Träumereien. Ausschnitten aus Magazinen, Flyer für´s Catering und Fotos von Locations. Alles für den großen Tag. Ich fand die Vorstellung damals klasse, einem Tag so viel Bedeutung beizumessen, dass man ihm mit einem ganzen Ordner voller Inspiration entgegenfiebert. Also habe ich auch einen angelegt. Einen Hochzeitsordner. Haltet mich für irre, aber der steht immer noch im Regal. Voll mit Broschüren, Fotos und Zeitschriftenschnippseln, die ich voller Vorfreude auf meine eigene Hochzeit – irgendwann – gesammelt habe und dafür natürlich oft belächelt wurde. War mir aber egal. In meiner Welt war träumen schon immer okay.

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Vor kurzem habe ich ihn beim Zusammenräumen für den Umzug in die Hände gekriegt. Ich musste lachen, so richtig lachen, obwohl niemand im Raum war. Wie hoffnungsvoll optimistisch ich damals war. Mit, vielleicht, 17. Der Glaube an die große Liebe, an den großen Tag, an den richtigen Moment und daran, dass alle meine Wünsche und Erwartungen sich erfüllen würden. Ich mag den Ordner, weil er mich an das Mädchen von damals erinnert.

Beim Durchblättern der Seiten habe ich gemerkt, wie viel sich verändert hat. An meiner Einstellung und an meinen Erwartungen.

Kürzlich beim Kochen, ging ich im Kopf mal wieder meine Finanzen durch. Die im Moment und die in Zukunft. Freunde und Bekannte bekommen Kinder. Bauen Häuser und planen Hochzeiten. Als ich gerade die Plastikverpackung der Spaghetti aufriss, da kam mir ein Gedanke: Warum nicht ganz unkompliziert – und sofort – heiraten? Man spart ja immerhin Steuern damit. Jetzt wo mein Freund und ich beide Vollzeit arbeiten und ein regelmäßiges Einkommen haben, würden wir ganz schön sparen. Zusammen bleiben wollen wir ja eh, also warum es nicht gleich tun? Warum es nicht gleich erledigen? Die Hochzeit hinter uns bringen? Der Vorstellung lies mich nicht mehr los – immer die Finanzen im Hinterkopf – und als sich herausstellte, dass mein Freund bereits den gleichen Gedanken hatte, überraschte und erschreckte mich das gleichermaßen.

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Seit ich denken kann wollte ich in einem weißen Spitzen-Kleid – am besten selbstgenäht – mit Blumenkranz im gewellten Haar und natürlich barfuß heiraten. Ganz einfach, auf einer Wiese bei uns auf dem Land. Ohne Pfarrer, ohne aufwändige Zeremonie, nur mit einer großen Feier auf der sich alle gut amüsieren. Auf der viel gelacht wird und die meiner Vorstellung von damals gerecht wird.

Wo ist die Romantikerin in mir hin? Verschwindet sie tatsächlich nach und nach? Wird begraben unter Einkommensteuerbescheiden, Finanzierungsplänen, Kreditanträgen, Behördengängen und dem Erwachsen Sein? Ich habe Angst davor, dass ich in zwanzig Jahren diesen Ordner in den Händen halten werde und mir voller Wehmut vorstelle, was dieses 17-jährige Mädchen voller Träumen und Hoffnungen wohl denken würde, wenn sie wüsste, dass ihr erwachsenes Ich alle zerschlagen und in eine lieblose Behörden-Hochzeit zu steuerlichen Vorteilen verwandelt hat. Getarnt als bodenständige Besiegelung einer großen Liebe. Pah. Von wegen. Sie wäre maßlos enttäuscht. Ich hätte sie verraten. Sie und ihren lächerlichen Hochzeitsordner.

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Ich beschloss lieber dem Blumenmädchen in mir zu vertrauen. Ich beschloss, wieder so zu denken, wie damals. Damals, als ich weniger erwachsen war und möglicherweise gerade deshalb mehr wusste, als heute. Diesen Ordner habe ich als Erinnerung angelegt. Vielleicht soll er aber eine Mahnung sein.

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21 Gedanken zu “Outfit: Blumenmädchen oder Realist?

  1. Miss Grapefruit schreibt:

    Toller Artikel.
    Ich muss dir aber irgendwie zustimmen. Ich selbst bin seit 10 Jahren (seit ich 15 bin) mit meinem Freund zusammen. Schlussendlich kam dies Jahr im Januar der Antrag und ich sagte ja. Romantisch war der Antrag auf der einen Weise schon, aber ich habe ihn mir immer anders ausgemalt. Es sollte an einem besonderen Tag geschehen etc.

    Nun stellen wir uns die Frage wo wir heiraten sollen. Viele Freunde haben wir nicht mehr, sodass die Hochzeit eigentlich auch aus ihm und mir bestehen kann. Ich habe keine Lust auf Menschen, die es einem nicht gegönnt haben und man es nur für die Gäste tut. Dennoch stelle ich mir die Frage, was mir eine Hochzeit eigentlich noch wert ist? Früher sollte es der perfekte Tag sein und heute denke ich mir, dass es nicht allzu teuer sein soll und dass es eigentlich auch nur “ein Tag” ist. Ich selbst weiß nicht, wie ich darüber denken soll, da ich eben wie du war und mir meinen Tag anders ausgemalt habe. Früher wusste man auch nicht, wie teuer so ein Event sein kann. Im Moment habe ich eher gemischte Gefühle und weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Dementsprechend kann ich dich vollkommen nachvollziehen.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag

    Liebe Grüße
    Jeanette

    • bonny schreibt:
      bonny

      Ja, die Frage stelle ich mir manchmal auch. Ist eine Hochzeit heute noch das Selbe wie damals? Oder hat sie schleichend immer weniger Bedeutung – auch gesellschaftlich. Aber da muss man vermutlich für sich selbst, bzw. zu zweit, rausfinden, ob einem der Tag wichtig ist oder eigentlich nur die Heirat an sich. Man sollte sich halt nur immer selbst treu bleiben, denk ich.

      Liebe Grüße
      Bonny

  2. Héloise Roubaud schreibt:

    Ein wirklich schöner Text =) Ich kann die Romantikerin in dir schon verstehen, aber ich denke, sowas kommt nicht zwingend vom Erwachsensein mitsamt unromantischen Verpflichtungen, sondern auch einfach von der Ernsthaftigkeit der Beziehung. Gerade bei der großen Liebe wird es immer wichtiger, verheiratet zu sein, als zu heiraten. Ich hatte die superromantische Verlobung schon – die Beziehung ist beendet, zwar im Guten, aber dennoch… Mit meinem jetzigen Freund würd ich auch in zwei Minuten aufs Standesamt gehen und wäre trotzdem glücklich. Im Gegenteil, meine Kollegin hatte gerade so eine Märchenhochzeit: 8 Monate superstressige Planungen und ein Tag, der so schnell nochmal vorbei war, dass sie erst später gemerkt hat, dass sie jetzt ja verheiratet ist =D Und jeder Standesbeamte würde dir sagen, dass den aufwendigsten Hochzeiten die kürzesten Ehen folgen… also sei mal nicht so hart mit dir =)

    • bonny schreibt:
      bonny

      Danke dir :) Das kann schon sein. Das was nach der Hochzeit kommt, ist eigentlich das Wichtigste und die Regel “umso aufwändiger der Hochzeitstag, umso länger die Ehe” hat ja bewiesenermaßen keine Gültigkeit. Oft betreibt man den riesen Aufwand sowieso nicht mal für sich und den Partner, sondern häufig auch nur für die Gäste, die Familie und Freunde. Das sind dann sowieso eigentlich die falschen Beweggründe, immerhin bleibt der Tag ja vor allem dem Brautpaar ewig im Gedächtnis.

      Liebe Grüße
      Bonny

  3. Rosy schreibt:

    Sehr schön geschrieben, liebe Bonny ♥
    Ich kann deine Gedanken vollkommen nachvollziehen. Zur Schulzeit hatte ich genaue Vorstellungen: Am Strand mit schöner Deko und allmöglichen Leute – große Feier und so.
    Im letzten Jahr fing das im Freundeskreis mit Hochzeiten an. Je mehr Hochzeiten ich miterlebte, desto mehr stellte ich mir die Frage: Ist das ganze den Aufwand wert? Du stresst dich monatelang vorher mit den Vorbereitung, steckst viel Geld rein und sobald am Hochzeitstag etwas schief läuft, ist die Braut erst einmal für einen Moment total enttäuscht und zieht eine Miene. Dabei soll es doch der schönste im Leben sein.
    Aber nichtsdestotrotz: Die Vorstellung von einer romantischen Hochzeit lass ich mir trotzdem nicht nehmen, hihi! :)

    Liebste Grüße,
    Rosy

    • bonny schreibt:
      bonny

      Vielen Dank Rosy :)
      Da geht es mir tatsächlich häufig auch so wie dir. Ich dachte immer, ich würde auf Hochzeiten sein und denken “oh, das will ich auch”, aber es ist eher so, dass ich mich, wie du, oft frage, ob es das wert ist. Obs nicht doch eher um das “danach” geht, ums verheiratet sein und nicht um den Tag an sich. Wenn es dann soweit ist und man möchte heiraten, dann denkt man aber vielleicht doch wieder ganz anders drüber. Die Einstellung zum Heiraten kann sich, glaube ich, immer sehr schnell ändern.

      Liebe Grüße
      Bonny

      • Rosy schreibt:

        Oh ja, da bin ich ganz bei dir! Wir werden es sehen, wenn es bei uns soweit ist ;)
        Was ich beim letzten Mal vergessen habe zu fragen: Der Blumenkranz auf deinem Kopf – ist das so ein Haarband mit Blumen oder ein echter Blumenkranz? :)
        Und dann würde ich noch gerne wissen, ob du etwas dagegen hättest, wenn ich dich bei mir auf der Seite verlinke?

        Hab noch einen schönen Abend und liebste Grüße,
        Rosy

  4. Magdalena schreibt:

    Hallo Bonny,

    wow das ist ja soo schön geschrieben. Du hast mit vielem so Recht und einiges geht mir ganz genauso. Früher war man doch so viel unbeschwerter. Wir haben nicht so über die Zukunft nachgedacht , sondern mehr gelebt. Aber müssen wir nicht auch sagen, dass es uns mit vielen Dingen heute viel ernster ist und dass uns einiges viel mehr bedeutet als früher? Und macht es denn wirklich einen großen Unterschied, ob wir verheiratet sind oder nicht? Eigentlich sollte jeder Tag so bedeutsam sein wie der Hochzeitstag, wir sollten jeden Tag zusammen mit unseren Partnern so glücklich wie an diesem Tag sein…Ich hoffe das gelingt uns allen und vielleicht kommt die Tarumhochzeit dann ganz von allein :-)

    Liebe Grüße,
    Magdalena

    • bonny schreibt:
      bonny

      Danke, Magdalena ♥ Das mag schon stimmen. Früher war das ja alles noch so abstrakt, heute ist es eben konkreter und ernster geworden. Da kann sich die Vorstellung der “Traumhochzeit” und die Einstellung zum Heiraten im Allgemeinen schon mal verändern.

      Liebe Grüße
      Bonny

  5. Fiona schreibt:

    Dein Text ist großartig! und du spricht mir ein bisschen aus der Seele ;) Ich hab übrigens auch so einen Ordner ;) Allerdings digital =D Von dem her ändert er sich auch regelmäßig ;) Aber ein bisschen romantischer Kitsch bleibt zur Mahnung immer drin ;)

    Viele Grüße,
    Fiona

    • bonny schreibt:
      bonny

      Yeah, ich bin nicht alleine :D Digital hab ich auch noch ein paar Inspirations-Boards auf Pinterest. Der Ordner hat sich in den letzten Jahren ja gar nicht mehr verändert, stand nur im Regal als Erinnerung. Die digitalen Boards hingegen ändern sich dauernd, finde ich ganz schön, dass man die Entwicklung des eigenen Geschmacks immer mitverfolgen kann :)

      Liebe Grüße
      Bonny

  6. Justine Wynne Gacy schreibt:

    Ein wirklich liebevoller Beitrag.
    Die Bilder gefallen mir sehr gut – sie wirken trotz der Posen sehr natürlich! Das schaffen inzwischen kaum Blogger/innen …
    Ich finde das Thema Hochzeit etwas zu gekünstelt – wenn ich mal heiraten dann wahrscheinlich in Turnschuhen und mit meiner Punkerkutte …

    Liebe Grüße
    Justine

  7. sabrinaszuckerwerkstatt schreibt:

    Ich finde die Idee mit dem Hochzeitsordner auch total süß.
    Ich habe auch einen gemacht, allerdings erst als ich den Antrag bekommen habe. Dann hatte ich ein Jahr Zeit um mich dann zu endscheiden, welches Kleid, welche Deko, wie ich die Torte gestallte und, und , und….

  8. Julia schreibt:

    Schööööner Artikel, tolle Bilder.
    Ich denke, dass Träume im Leben sehr sehr wichtig sind um uns anzuspornen, um Ziele zu haben. Die sogenannten Realisten, die aufgehört haben zu träumen, tun mir leid, denn ich glaube, dass ihnen im Leben etwas Wichtiges fehlt.
    Ich tauche häufig in meine ganz persönlichen Traumwelten ab und schöpfe darin neue Kraft für das Leben.

    Liebe Grüße
    die bekennende Traumtänzerin Julia :-*

  9. Duni schreibt:

    Was für ein unschlagbarer schöner Post… ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll – vielleicht erstmal bei Elliot & und ihrem Ordner: Das haben wir nämlich gemeinsam :D ich hab damit auch angefangen, und ich hatte schon ALLES dort drin ❤ Der wird dann später wieder rausgeholt ;D Du sprichst mir wirklich aus der Seele meine liebe Bonny! Bei mir war es so, das mein Umfeld diese Romantische Seite an mir nicht verstehen kann / will. In einer Welt wo die Karriere als Berufung gesehen wird, Frauen sich bloß nicht abhängig machen dürfen, und wo jeder sich auf sich selbst konzentriert. Ich hab mal einen Artikel gelesen das wir in der Generation leben, die sich nicht festlegen will weil es ja vielleicht etwas besseres noch gibt. Diese “optimierungs-Generation” ganz schlimm…. Aber ich halte auch an meiner Romantik-Seite fest!! Ich träume weiterhin von meiner Hochzeit und meiner Zukunft! Ein Romantik-High-Five Süße! *Check*
    Liebst, deine Duni ❤

  10. Annanikabu schreibt:

    Das ist ja eine super süße Geschichte! :-)
    Ich hab mir fürher irgendwie nie Gedanken über meine Traumhochzeit gemacht. Ich wusste, dass es perfekt werden wird, wenn es so weit ist! ;-) Ich hab letzten Dezember standesamtlich geheiratet und jetzt im Oktober gehts dann zur Kirche und danach wird auch groß gefeiert und wir machen uns auch keinen Stress, wir wissen ja, dass unsere Freunde un dFamilie dabei sein werden und dass wir uns lieben – darum muss der Tag einfach perfekt werden! Also macht euch keinen Stress, ihr zwei liebt euch, das ist doch die Hauptsache! Irgendwann wird die Zeit dann kommen und dann wird der Tag ganz sicher so, wie du ihn dir damals in deinem Ordner ausgemalt hast! ;-)

    Ganz liebe Grüße
    Anna

  11. Julia schreibt:

    Ach ja, herzlichen Glückwunsch zur Verlobung!!!
    Spaß, hab das natürlich eben auf Instagram gelesen :-) Jetzt kann ich aber zugeben, dass mein erster Gedanke beim Lesen des Artikels war “Wenn ihr Freund ihr jetzt keinen Antrag macht, weiß ich auch nicht” ;-) Du wärst jedenfalls eine wunderschöne Braut, ich kann mir das mit dem Barfuß und Blumen im Haar gut vorstellen :-)
    Liebe Grüße
    Julia

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